Argumente für die nachhaltige Waldbewirtschaftung

Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise im Wald und angesichts der Unterstützung durch die Bundesregierung werden der Forstwirtschaft und den Waldeigentümern immer wieder die Schuld für die Zerstörung im Wald zugeschoben. Im Folgenden listen wir Argumente auf, um diesen Vorwürfen zu begegnen.

  1. Die Forstwirtschaft ist an der Krise im Wald schuld

Das ist falsch. Die Wetterextreme in 2018 und 2019 – von Sturm Friederike im Januar 2018 bis zur anhaltenden Trockenheit im Sommer 2019 - haben Nadel- und Laubwäldern gleichermaßen zugesetzt. Betroffen waren Fichten wie Buchen, Kiefern wie Eichen, Tannen und Eschen. Auch wurden bewirtschaftete und unbewirtschaftete Wälder gleichermaßen betroffen. Im Nationalpark Hainich etwa gab es ein Buchensterben.    

Würden die Waldeigentümer nicht seit Jahrzehnten Waldumbau betreiben, wären die Schäden durch die Auswirkungen des Klimawandels größer. Zudem geht der Waldumbau nicht von heute auf morgen: Ein großer Teil der Nadelwälder in Deutschland ist heute zwischen 60 und 80 Jahre alt. Er stammt aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, die geprägt war von Naturzerstörung, Reparationshieben und Holznot. Ziel war damals, Kahlflächen mittels schnellwüchsiger Baumarten wiederaufzuforsten.

 

2, Monokulturen bestimmen die Forstwirtschaft

Auch das stimmt nicht. Der Waldumbau ist seit Jahrzehnten in vollem Gange. Dass vielfältige Mischwälder widerstandfähiger sind gegen Wetterextreme und Schädlingsbefall, ist der Forstwirtschaft seit langem klar. Laut der dritten Bundeswaldinventur besteht der Wald in Deutschland zu über 50 Prozent aus Mischwäldern und zu 22 Prozent aus reinem Laubwald. In der nächsten Waldgeneration werden sich die Anteile weiter erhöhen.

Übrigens ist auch ein reiner Buchenwald eine Monokultur. Nur ein Waldbau mir vielfältigen Laub- und Nadelbaumarten sorgt für die Stabilität der Wälder. 

 

3. Die Forstwirtschaft beutet die Wälder aus

Der deutschen Forstwirtschaft in Deutschland wird oft vorgeworfen, sie würde zu viel Holz aus dem Wald holen und damit den Lebensraum von Tieren und Pflanzen schädigen. Das trifft nicht zu. Es wird in den meisten Wäldern deutlich unter dem Zuwachs eingeschlagen. Die dritte Bundeswaldinventur belegt zudem, dass die Holzvorräte in unseren Wäldern stetig gewachsen sind. Deutschland verfügt über mehr Holz als genutzt werden kann. Damit ist Deutschland Europameister beim Holzvorrat. Es zählt zu den europäischen Ländern mit den höchsten Wald- und Holzvorräten. In den Jahren 2002 bis 2017 hat die Waldfläche um 70.000 Hektar zugenommen.

 

4. Der Wald erholt sich selbst von den Schäden

Wenn der Mensch nicht eingreift und der Wald ausschließlich der Naturverjüngung überlassen bleibt, dann würde der Prozess zu klimastabilen Mischwäldern sehr viel länger dauern. Darüber hinaus werden Baumarten wie die Tanne, der Bergahorn, Buche oder Eiche bevorzugt vom Wild verbissen. Damit wir stabile Wälder bekommen, brauchen wir eine Wiederbewaldung mit standortgerechten Baumarten sowie den Schutz der Jungpflanzen. Durchforstung und Wiederbewaldung dienen deshalb auch der Verjüngung und Steigerung der Vitalität des Waldes.

 

5, Wälder müssen stillgelegt werden, Deutschland braucht Urwälder

Wälder mit einer langen Geschichte sind etwas Schönes und Wertvolles. Die Pflege und Gestaltung der Wälder aber ist eine Kulturleistung des Menschen. Dabei aber kommt es auf die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie an. Deutschland ist zu dicht besiedelt, um große Waldflächen gänzlich aus der Nutzung herauszunehmen. Das hat mehrere Gründe: Erstens wird der Rohstoff Holz benötigt etwa für den Haus- und Möbelbau. Zweitens leistet Holz einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz, weil Holz Kohlenstoff speichert und Beton und Stahl ersetzen kann. Drittens setzten wir uns dafür ein, dass dieses Holz nicht aus Ländern wie Brasilien oder Indonesien importiert wird, dort muss der Regenwald für die Menschheit erhalten werden.

Um es anschaulich zu machen: Werden 600.000 Hektar Wald aus der Bewirtschaftung genommen, erhöhen sich die Treibhausgasemissionen um 4 bis 5 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Der Verzicht auf alle innerdeutschen Flüge würde etwa 2,5 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen pro Jahr einsparen.

 

6. In forstwirtschaftlich genutzten Wäldern gibt es keine Artenvielfalt

Das stimmt nicht: Laut des Indikatorenberichtes zur Nachhaltigkeitsstrategie 2018 erreicht der Wald bei der Artenvielfalt und der Landschaftsqualität 90 Prozent des Zielwertes und weist damit den im Vergleich höchsten Wert aller Lebensraumtypen auf.

Darüber hinaus befanden sich im Jahr 2012 rund 225 Millionen m3 Totholz im Wald. Das entspricht der dreifachen jährlichen Holzerntemenge (3. Bundeswaldinventur 2012).

 

7. Die Waldeigentümer wollen nur Profit

Das stimmt nicht. Die Mehrheit der Waldeigentümer fühlt sich ihrem Wald sehr verbunden, so dass sie ihn auch in Krisenzeiten pflegt. Der durchschnittliche Waldeigentümer in Deutschland besitzt 2,8 Hektar Wald. Damit zählt die Mehrheit der Waldbesitzer zu Kleinprivatwaldeigentümern. Allein die Fixkosten (Grundsteuer, Boden- und Wasserverbände, Berufsgenossenschaft) belaufen sich bei dieser Größe auf 40 bis 50 Euro pro Hektar im Jahr. Bei dem aktuellen Preisverfall auf dem Holzmarkt reichen die Einnahmen weder für die Beräumung des Schadholzes noch für die Wiederbewaldung.

Der Wald ist Sauerstoffproduzent, Wasserspeicher, Erholungsort, Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Mit ihrer Waldpflege leisten die Waldeigentümer einen vielfältigen Beitrag für die Ökosystemleistungen des Waldes, die unentgeltlich erbracht werden. Daher fordern sie eine Honorierung dieser vielfältigen Leistungen. Ein erster Vorstoß ist die „Schweriner Erklärung“ von Waldbesitzerverband und Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern-

Zahlen und Fakten zum Wald und zur Krise im Wald

Der Wald in Deutschland:

  • Laut der 3. Bundeswaldinventur von 2012 ist Deutschland mit rund 11,4 Millionen Hektar zu einem Drittel bewaldet.

  • Deutschland verfügt über größere Holzvorräte als Schweden oder Finnland. Rund 90 Milliarden alte und junge Eichen, Fichten, Kiefern, Buchen und seltenere Baumarten prägen den Wald in Deutschland.

  • Der Wald mit seinen vielfältigen Funktionen ist unsere Lebensgrundlage. Er produziert Sauerstoff, er ist Erholungsort und Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus stellt er den Rohstoff Holz zur Verfügung und ein wichtiger Klimaschützer.

  • Das gesamte Cluster Forst und Holz speichert jährlich über 127 Millionen Tonnen CO2 - das sind rund 14 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft.

Die Krise im Wald:

  • Die Wetterextreme in 2018 und 2019 haben schwere Schäden in den Wäldern verursacht. Es sind über 180.000 Hektar Waldfläche geschädigt worden, rund 105 Millionen Festmeter Schadholz sind angefallen, über 300 Millionen Bäume müssen gepflanzt werden. Es handelt sich um vorläufige Schätzungen, der Schadverlauf ist noch nicht abgeschlossen. (Quelle: BMEL)

  • Die Ursache war eine Aneinanderreihung von Wetterextremen. Auf den Sturm Friederike im Januar 2018 folgte die Dürre im Sommer 2018 und eine anhaltende Trockenheit in 2019.

  • Die Folgen: Vertrocknete Bäume, Schädlingsbefall an allen Baumarten (Nadel- wie Laubbäumen), schwere Waldbrände z.B. in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

  • Stark betroffen sind Regionen wie der Teutoburger Wald, Thüringer Wald, Harz, Solling etc.

  • Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat den Waldeigentümern Hilfen in einer Höhe von 547 Millionen Euro zugesichert. Mit der Kofinanzierung durch die Länder stehen Hilfen in Höhe von 800 Millionen Euro für die Beräumung der Schäden und die Wiederbewaldung zur Verfügung.

Forderungen:

  • Eine CO2-Abgabe, die dem Wald für die Klimaschutzleistung zugutekommt.

  • Eine Holzbau-Initiative, um das vorhandene Holz als Rohstoff verstärkt einzusetzen. Dazu zählen etwa die Änderungen der Landesbauordnungen sowie eine Holz-Quote bei öffentlichen Gebäuden.

  • Die Honorierung der Ökosystemleistungen (Vorbild ist die „Schweriner Erklärung“ vom Januar 2020).

  • Die Vereinfachung der Förderverfahren, damit die Hilfen auf die Fläche gelangen.

  • Die Stärkung der forstlichen Zusammenschlüsse mittels Förderungen und Beratungen

  • Wiederaufforstung nach Vorrangflächen in den Regionen, z.B. Hangschutzwälder-Erosionsschutz, Wasserschutz um Talsperren unter Einbeziehung der Baumschulen.

 

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